Pleite im Eiswind: BVB vermasselt den Kunstrasentest
Im Eiswind von Nord-Norwegen ist ein schauerlich schwaches Borussia Dortmund beim Kunstrasen-Test glatt durchgefallen. Der lange vollkommen enttäuschende BVB verlor beim letztjährigen Sensationsteam FK Bodö/Glimt verdient mit 0:1 (0:0) und leistete sich im Rennen ums Champions-League-Achtelfinale einen ersten schmerzhaften Fehltritt. Ihre strapaziöse Serie von drei Auswärtsspielen in sieben Tagen mit 11.000 Flugkilometern setzen die Dortmunder am Samstag in der Bundesliga bei Union Berlin fort.
Feuer-Fontänen, ein traumhafter Blick auf das Gebirgsmassiv Börvasstindan und ein extrem bissiger Gegner empfingen den BVB im kleinen Aspmyra-Stadion direkt am Flughafen. Die Dortmunder fanden nördlich des Polarkreises erst nach dem Rückstand ins Spiel, sie erzwangen ein paar klare Chancen - aber es blieb beim einzigen Tor des Abends durch Fredrik Sjövold (52.). 27 Jahre nach dem 0:3 gegen Rosenborg Trondheim verlor der BVB wieder gegen ein norwegisches Team.
Trainer Niko Kovac, mit neuem Vertrag bis 2029 in der Tasche, wechselte im 8000-Plätze-Kistchen fünfmal in seiner Startelf - ausnahmsweise nicht nur aus taktischen Erwägungen: "Wir glauben, dass sich kleinere Spieler auf diesem Boden besser zurechtfinden", sagte er. Das sprach in der Offensive unter anderem für Konstantinos Karetsas, den Königsklassen-Debütanten Samuele Inacio und Fabio Silva. Doch sie taten sich allesamt sehr, sehr schwer - wie auch ihre Teamkollegen ausnahmslos.
Nico Schlotterbeck (1,91 m) hatte Kovac gleich zu Hause gelassen, weil sich dessen Sprunggelenksprobleme möglicherweise verschlimmert hätten. "Das wird kein großer Spaß in Bodö", vermutete Sportgeschäftsführer Lars Ricken richtig - das TV-Studium des 3:3 des FC Bayern bei Viking Stavanger war eine Zusatzwarnung.
Die Dortmunder begannen halbwegs engagiert, dennoch zeigte Bodö früh, warum es in der vergangenen Saison Manchester City und Inter Mailand geschlagen hatte. Sondre Brunstad Fet (19.) schoss hauchdünn am BVB-Tor vorbei, Ole Didrik Blomberg (27.) verpasste eine Hereingabe des früheren Frankfurters Jens Petter Hauge um Zentimeter. Den Dortmundern fehlte Ruhe im Aufbau, immer wieder holte sich Bodö den Ball schnell zurück. Gefährliche Abschlüsse des BVB gab es vor der Pause nicht - Silva stand bei seinem Kopfball im Abseits (41.).
Kovac erhoffte sich mehr Struktur, in den ersten 48 Sekunden der zweiten Halbzeit allerdings hatte Andreas Helmersen schon wieder zwei dicke Chancen. Seinen Schuss parierte BVB-Torhüter Gregor Kobel zur Ecke, der folgende Kopfball ging knapp übers Tor. Auch Hauge (48.) und Blomberg (49.) waren gleich wieder brandgefährlich. Der BVB wankte, Kovac gestikulierte hektisch an der Seitenlinie - vergeblich: Sjövold traf zur hochverdienten Führung.
Kovac hatte nach einer Stunde genug gesehen. Er brachte in einem belebenden Vierfachwechsel unter anderem Guirassy und Felix Nmecha, dessen Fernschuss zur ersten ernsthaften Gäste-Gelegenheit wurde (62.). Guirassy (69.) wurde aus kurzer Distanz geblockt. Der BVB kämpfte, aber die Norweger hielten stand.
Der BVB-Tross fliegt nun nach Dortmund zurück, ehe es am Freitag weiter nach Berlin geht. Nach einer weiteren Nacht in Dortmund startet der BVB am Montag schon wieder Richtung Aserbaidschan - dort spielt er am Dienstag in der Champions League gegen den Sabah FK.
B.Ha--SG