EZB-Belegschaft mahnt Transparenz über Lagardes Zukunft an
Die Belegschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) hat angesichts von Berichten über einen etwaigen vorzeitigen Abgang von EZB-Präsidentin Christine Lagarde Klarheit angemahnt. Eine "anhaltende Ungewissheit" über die künftige Besetzung der Führungsebene der Institution könne "das Vertrauen in die Kommunikation der EZB beeinträchtigen", heißt es in einem Brief des sogenannten Staff Committees, das als eine Art Personalrat der Zentralbank fungiert.
Zudem warnte das Staff Committee vor "Unruhe bei Mitarbeitern und Stakeholdern". Auch könne die Ungewissheit eine "geordnete Planung der Nachfolge und der strategischen Prioritäten erschweren", heißt es in dem auf vergangenen Freitag datierten Brief an das EZB-Direktorium, der der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag.
Zuletzt hatte es Medienberichte gegeben, wonach Lagarde die EZB womöglich schon vor Ende ihrer bis Oktober 2027 dauernden Amtszeit verlassen könne, um den Vorsitz des Weltwirtschaftsforums (WEF) zu übernehmen, welches die jährlichen Treffen im schweizerischen Davos ausrichtet. Ähnliche Spekulationen hatte es bereits im vergangenen Jahr gegeben.
Lagarde selbst hatte am vergangenen Donnerstag auf der Pressekonferenz zur Leitzinsentscheidung der Zentralbank auf Nachfrage gesagt, dass es über sie persönlich "nichts zu berichten" gebe - und falls dem so sein sollte, "dann wären Sie die ersten, die das erfahren würden, nach meinen Enkelkindern".
Die Mitarbeitervertretung der EZB hob in ihrem Brief hervor, dass das Staff Committee weder Stellung zum Wahrheitsgehalt der Medienberichte beziehen, noch das Recht Einzelner in Frage stellen wolle, künftige berufliche oder öffentliche Aufgaben in Erwägung zu ziehen. Die Wirksamkeit der EZB hänge indes nicht nur von ihren Entscheidungen ab - sondern auch "vom Vertrauen in ihre Stabilität, Unabhängigkeit und Vorhersehbarkeit".
I.Jang--SG