Frühstartrente soll frühzeitigen Vermögensaufbau für das Alter erleichtern
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf für die sogenannte Frühstartrente beschlossen. "Die Frühstartrente ist ein wichtiger Beitrag für eine bessere Altersvorsorge und mehr Chancengleichheit", erklärte dazu Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). Jedes Kind erhalte so "ein Startkapital für die eigene private Altersvorsorge".
Vorgesehen ist, dass der Staat vom 6. bis zum 18. Geburtstag eines Kindes monatlich zehn Euro in ein individuelles kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot einzahlt. Die Frühstartrente soll mit dem Geburtsjahrgang 2020 beginnen, rückwirkend zum 1. Januar 2026. Ab 2027 kommt jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen hinzu.
"Das ist ein guter Tag für die Kinder in unserem Land und es ist auch ein guter Tag für die Rente", sagte dazu Klingbeil. "So bauen junge Menschen über die Jahre ein eigenes Vermögen auf und lernen früh, wie Vorsorge am Kapitalmarkt funktioniert." Dieser Vermögensabbau funktioniere anders als bisher unabhängig vom Elternhaus. Zugleich werde die finanzielle Bildung gestärkt. Auch dies sei "ein wichtiger Schritt" weg von der "Kultur der Sparbücher" und hin zu einer "Kultur der Depots".
Gefördert werden zertifizierte Verträge mit einem effektivem Kostendeckel, sowie ohne Abschluss- und Vertriebskosten bis zur Volljährigkeit. Eröffnen die Eltern kein Depot, können die Kinder die staatlichen Zuschüsse dennoch später für ihre Altersvorsorge abrufen.
Die Erträge sind bis zum Beginn der Auszahlungsphase steuerfrei, ausgezahlt wird das geförderte Kapital grundsätzlich nicht vor Vollendung des 65. Lebensjahres. Die staatlichen Zuschüsse können privat, beispielsweise durch freiwillige Einzahlungen von Eltern oder Großeltern, um bis zu 6840 Euro pro Jahr aus eigenen Mitteln ergänzt werden. Dafür ist aber keine zusätzliche steuerliche Förderung vorgesehen.
Kritik kam von der Linkspartei. Deren Rentenexpertin Sarah Vollath sagte der "Rheinischen Post", die Frühstartrente sei "nichts anderes als Symbolpolitik, mit der die Bundesregierung schon die Jüngsten in der Gesellschaft an den Kapitalmarkt binden will". Durch die Möglichkeit zur Zahlung zusätzlicher Eigenbeträge würden zudem wohlhabende Eltern begünstigt, "während ärmere Familien mal wieder das Nachsehen haben". Zugleich würden von der Regierung "Milliarden für ein Sinnlos-Projekt verpulvert", während die Bundesregierung gleichzeitig beim Zuschuss für die gesetzliche Rentenversicherung kürzen wolle.
Vor hohen Verwaltungskosten bei der Frühstartrente warnte der Sozialverband Deutschland (SoVD). Zwar sei es "grundsätzlich ein richtiger Ansatz", dass Kinder früh beim Aufbau ihrer Altersvorsorge unterstützt werden sollten. Dabei sei aber wichtig, "dass möglichst viel von der Förderung tatsächlich bei den jungen Menschen ankommt". Der SoVD wies zudem auf grundsätzliche Risiken einer kapitalgedeckten Altersversorgung hin.
Aus den staatlichen Zahlungen bis zum 18. Lebensjahr ergibt sich eine Einzahlsumme von 1440 Euro. Nach Berechnungen des Ratgebers "Finanztip" vom Juli würde diese bei einer durchschnittlichen Verzinsung abzüglich der Kosten in dem Zeitraum auf 2200 Euro anwachsen. Bis zur Rente könne daraus ein Kapital von mehr als 50.000 Euro entstehen, sagte Klingbeil. "Finanztip" rechnet vorsichtiger mit rund 25.000 Euro zum Zeitpunkt des Renteneintritts bei einer Durchschnittsrendite von sechs Prozent abzüglich von Kosten von 0,2 Prozent. Eine Garantie gibt es dafür aber jeweils nicht.
G.Cho--SG