Größte Eskalation im Iran-Krieg seit Vereinbarung der Waffenruhe Anfang April
Der wieder aufgeflammte Konflikt um die Straße von Hormus hat zu der größten Eskalation im Iran-Krieg seit der Vereinbarung über eine Waffenruhe zwischen Washington und Teheran Anfang April geführt. Das US-Militär erklärte, in der Nacht zum Montag dutzende Ziele im Iran beschossen zu haben. Die iranischen Revolutionsgarden griffen nach eigenen Angaben US-Militärziele in Jordanien, Kuwait, Bahrain und im Oman an.
Es war die zweite Nacht von gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran in Folge. Später im Tagesverlauf am Montag wurden dann Berichten iranischer Medien zufolge bei neuen US-Angriffen zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt.
Zu den nächtlichen US-Angriffen teilte das US-Regionalkommando Centcom im Onlinedienst X mit, deren Ziel sei es gewesen, die Fähigkeit des Iran einzuschränken, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu attackieren. Bei der jüngsten Angriffswelle seien unter anderem iranische Luftabwehrsysteme und Radarstationen ins Visier genommen worden.
Die US-Armee hatte bereits in der Nacht zum Sonntag nach eigenen Angaben rund 140 militärische Ziele im Iran angegriffen, nachdem die iranischen Revolutionsgarden ein Schiff in der Straße von Hormus attackiert hatten. Teheran reagierte mit Angriffen auf US-Ziele in der Region. Bahrain warf dem Iran am Montag vor, bei den "abscheulichen Angriffen" auf das Königreich Zivilisten mit Raketen und Drohnen ins Visier genommen zu haben.
Der Iran verurteilte die jüngsten US-Angriffe. Diese hätten alle diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate zunichte gemacht, erklärte das iranische Außenministerium in der Nacht zum Montag.
Ministeriumssprecher Esmaeil Bakaei sagte später, der Iran fühle sich bei Verstößen der USA nicht mehr an das Mitte Juni unterzeichnete Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges gebunden: "Jedes Mal, wenn die andere Seite ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen ist, haben wir unsere ebenfalls nicht eingehalten", sagte er und warnte: "Wir werden weiterhin so vorgehen."
Bakaei zufolge ist der Iran aber weiter mit den Vermittlerstaaten Katar, Pakistan und dem Oman in Kontakt, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Es habe "in den vergangenen Tagen" Kontakte mit den drei Vermittlern gegeben. Die iranischen Streitkräfte hatten zuletzt nach eigenen Angaben in Vergeltung für US-Angriffe Ziele unter anderem auch in Katar und im Oman attackiert.
Seit Anfang April galt im Iran-Krieg eine brüchige Waffenruhe. In jüngster Zeit war es aber wegen des Streits um die freie Durchfahrt durch die für den weltweiten Handel wichtige Straße von Hormus immer wieder zu Kämpfen gekommen. US-Präsident Donald Trump erklärte die Waffenruhe deshalb in der vergangenen Woche für beendet.
Den iranischen Revolutionsgarden zufolge ist die Straße von Hormus "geschlossen". Das staatliche Fernsehen berichtete, der Iran habe am Montag "Warnschüsse" auf zwei Schiffe abgegeben, die versucht hätten, die Meerenge zu durchqueren. Das US-Militärkommando Centcom teilte indes auf X mit, die Passage sei für die "legale" Schifffahrt geöffnet und der Iran übe keine Kontrolle über sie aus.
Der Ölpreis stieg infolge der jüngsten Eskalation erneut deutlich an. Der Preis für die Referenzsorte Brent nahm zeitweise um bis zu fünf Prozent zu, später lag der Anstieg 3,5 Prozent. Im Juni war der Ölpreis nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens zunächst deutlich gefallen.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) rief die USA und den Iran zu direkten Verhandlungen auf. Beide Seiten müssten "jetzt sehr schnell an den Verhandlungstisch zurückkehren" und "endlich effektive bilaterale Verhandlungen aufnehmen", sagte Wadephul am Rande eines Treffens mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel.
Wadephul forderte den Iran auf, seine Angriffe in der Straße von Hormus zu stoppen. "Jeder Angriff ist ungerechtfertigt", sagte der Bundesaußenminister. "Diese Welt braucht endlich eine frei passierbare Straße von Hormus", forderte er angesichts der steigenden Ölpreise infolge der neuen Angriffe.
Ähnlich äußerte sich Wadephuls französischer Kollege Jean-Noël Barrot. Beide Seiten hätten selbst kein Interesse an einer Eskalation, sagte er im Sender BFM TV/RMC.
I.Do--SG