Deutsche Technik an Bord: Japanische Raumsonde Richtung Marsmonde gestartet
Start einer historischen Weltraummission mit deutscher Technik an Bord: Eine japanische Trägerrakete hat erfolgreich eine Sonde im All ausgesetzt, mit der erstmals Material in der Marsregion eingesammelt und zur Erde gebracht werden soll. An Bord war der deutsch-französische Rover Idefix - der nach dem kleinen Hund des Comic-Helden Obelix benannt ist und Bodenproben sammeln soll.
Die H3-Trägerrakete startete am Dienstagmorgen um 04.41 Uhr Ortszeit (Montag 21.41 Uhr MESZ) vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima. Gute eine Stunde später löste sich im All die Sonde, welche die zwei Marsmonde erforschen soll. Die Sonde begann damit nach Angaben der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa "ihre Reise zum Mars-System".
Die Jaxa-Wissenschaftlerin Mari Aida zeigte sich erleichtert über den erfolgreichen Start der Mission mit dem Namen Martian Moons eXploration (MMX). "Ich habe von diesem Tag geträumt, ich bin unglaublich froh."
Die Jaxa hofft, mit der Mission Aufschlüsse darüber zu gewinnen, wie der Mars und seine beiden Monde entstanden sind - ein entscheidender Schritt für das Verständnis der Entstehung des Sonnensystems. Zudem könnten die Erkenntnisse dazu beitragen, die Grundlagen für eine eventuell mögliche künftige Erkundung des Roten Planeten durch den Menschen zu schaffen. Eine solche plant US-Techmilliardär Elon Musk mit seinem SpaceX-Konzern.
Zunächst reist nun aber die japanische Sonde monatelang durchs All in Richtung ihres Zieles. Sie soll voraussichtlich ab August kommenden Jahres zunächst den Mars-Mond Phobos umkreisen, dann auf ihm landen und schließlich mindestens zehn Gramm an Bodenproben sammeln, um sie anschließend zur Erde zu bringen. Der Rover Idefix ist für die Erkundung von Phobos vorgesehen. Entwickelt und gebaut wurde er nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) vom DLR und der französischen Raumfahrtagentur CNES.
Die Landung auf Phobos ist laut DLR etwa zum Jahreswechsel 2028/2029 geplant. Nach Angaben von Missionsleiter Yasuhiro Kawakatsu ist die geplante Probenentnahme auf Phobos "eine Weltpremiere". Außerdem handele es sich bei MMX um die erste Raummission, bei der es einen Hinflug zum Mars und einen Rückflug zur Erde gebe. Laut DLR soll Idefix den Marsmond Phobos 100 Tage erkunden.
Ein weiterer Teil der Mission ist die Beobachtung von Deimos, einem anderen Mars-Mond. Eine Landung ist dort aber nicht geplant. Die Kapsel mit den Gesteinsproben von Phobos soll 2031 zur Erde zurückkehren und voraussichtlich in Australien landen.
Japan arbeitet bei der Mission mit der europäischen Raumfahrtagentur ESA und der US-Raumfahrtbehörde Nasa zusammen. Das DLR hat sich nach eigenen Angaben mit sechs seiner Institute und Einrichtungen an fünf Standorten an dem Marsmond-Rover beteiligt.
Das DLR-Institut für Robotik und Mechatronik ist demnach mit der Gesamtprojektleitung und gemeinsam mit dem Institut für Raumfahrtsysteme mit dem Systemengineering beauftragt. Darüber hinaus habe das DLR-Institut für Robotik und Mechatronik eine Software-Lösung konzipiert, um den Rover auf der Phobos-Oberfläche autonom zu navigieren.
Das Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) in Köln hat zusammen mit der französischen Universität Université Côte d’Azur die wissenschaftliche Leitung für den Rover inne. Kontrollzentren in Köln und der französischen Raumfahrtagentur CNES in Toulouse betreiben die Kontrollzentren für Idefix.
Bundesraumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) erklärte laut DLR, der "Raumfahrtstandort Deutschland" zeige eindrücklich, was er könne: "hochpräzise Technik, die in den Weiten des Alls auf dem Marsmond Phobos noch perfekt funktionieren muss". Jaxa, DLR und CNES trieben gemeinsam die Erkundung unseres Sonnensystems voran. "Gleichzeitig betreten wir mit Idefix auch technologisches Neuland – das ist Hightech Hand-in-Hand." DLR-Chefin Anke Kaysser-Pyzalla erklärte, mit dem Rover Idefix schickten Deutschland und Frankreich "ein Stück europäischer Robotik-Kompetenz auf eine außergewöhnliche Forschungsreise".
Die japanische Raumfahrtbehörde erhofft sich von der Mission Erkenntnisse über die Entstehung und Beschaffenheit der Mars-Monde. Außerdem soll die MMX-Mission zeigen, ob Phobos als eine Art "natürliche Raumstation" genutzt werden kann. Für eine spätere bemannte Erforschung des Roten Planeten, wie sie SpaceX-Chef Musk langfristig plant, wäre das von wesentlicher Bedeutung.
M.Yoo--SG