Bürger in kanadischer Provinz Alberta stimmen gegen Unabhängigkeitsreferendum
In der kanadischen Provinz Alberta haben sich die Wähler Berichten zufolge mit großer Mehrheit gegen die Abhaltung eines Referendums über eine Unabhängigkeit von Kanada ausgesprochen. Wie der öffentlich-rechtliche Sender CBC und der Privatsender CTV am Dienstag nach Auszählung von mehr als einem Drittel der Wählerstimmen berichteten, sprachen sich mehr als 76 Prozent gegen die Durchführung einer solchen Volksabstimmung aus; nur etwa 23 Prozent befürworteten das.
Premierminister Mark Carney begrüßte das Ergebnis und erklärte im Onlinedienst X, die Einwohner Albertas hätten eine "klare Entscheidung" zugunsten der nationalen Einheit getroffen. Sie hätten dafür gestimmt, "gemeinsam etwas aufzubauen und füreinander zu sorgen", fügte er hinzu. Carney hatte die Bevölkerung der ölreichen westkanadischen Provinz im Vorfeld dazu aufgerufen, an der Abstimmung teilzunehmen und für den Verbleib in Kanada zu stimmen.
In der Provinzhauptstadt Edmonton herrschte gedrückte Stimmung bei den Befürwortern einer Loslösung von Kanada. Er sei "enttäuscht von seinen Mitbürgern", sagte der Separatist Jour Dain. Er erwäge, in die USA auszuwandern. Ein führender Vertreter der Unabhängigkeitsbefürworter sagte Pressevertretern, sein Einsatz für eine Loslösung Albertas von Kanada werde "auf jeden Fall" weitergehen. "Wir haben aus diesem Kampf viele Lektionen gezogen", fügte er hinzu.
Auf der Wahlparty der Unabhängigkeitsgegner war die Stimmung dagegen ausgelassen. "Es war großartig, die Begeisterung und Entschlossenheit unter den Kanadiern zu sehen", sagte der Leiter der Gruppe Forever Canadian, Thomas Lukaszuk.
Alberta verfügt über die viertgrößten Ölreserven der Welt. Viele Bürger in der kanadischen Provinz wollen möglichst viel Gas und Öl fördern und exportieren. Die Regierung von Carneys Vorgänger Justin Trudeau hatte dagegen strengere Klimaschutzmaßnahmen verfolgt.
Die nicht bindende Volksabstimmung war von Albertas rechtsgerichteter Regierungschefin Danielle Smith initiiert worden, nachdem ein Richter zuvor ein geplantes Bürger-Referendum wegen verfassungsrechtlicher Bedenken gestoppt hatte. Smith hatte zwar erklärt, gegen die Unabhängigkeit stimmen zu wollen, in ihrer Partei befinden sich jedoch auch Separatisten.
Die vor wenigen Jahren noch unbedeutende Unabhängigkeitsbewegung in Alberta hatte auch das Interesse von US-Präsident Donald Trump geweckt, der wiederholt davon gesprochen hat, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. So wurden die Separatisten vor einigen Monaten im Außenministerium in Washington empfangen, der US-Tech-Unternehmer Elon Musk sprach sich Anfang Oktober für die Abspaltung der Provinz von Kanada aus. US-Finanzminister Scott Bessent nannte Alberta einen "natürlichen Partner".
J.Lim--SG