Rechtspopulistin Le Pen weist Antisemitismusvorwurf gegen Bardella als Manipulation zurück
Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat Antisemitismusvorwürfe gegen den Parteichef Jordan Bardella als politische Manöver zurückgewiesen. "Das lassen wir nicht mit uns machen", sagte sie am Dienstag in Paris vor Abgeordneten ihrer Partei Rassemblement National (RN) und verbündeter Parteien. Sie wolle herausfinden, "wer hinter dieser Manipulation steckt", sagte Le Pen.
"Unsere Gegner werden die abscheulichsten Dinge tun, um unseren Erfolg zu verhindern", fügte sie hinzu. Dem 31 Jahre alten Bardella sprach sie ihr "volles Vertrauen" aus.
Bardella sprach seinerseits von einem "Destabilisierungsversuch". Er sehe Vorzeichen eines Krieges, sagte er bei einem Treffen mit Abgeordneten. "Das Ziel ist es, meine politische Karriere zu beenden", betonte er. "Mediapart" sei ein "linksextremes Blatt von Fanatikern". Bardella zeigte sich überzeugt, dass die Recherche seit Monaten vorbereitet gewesen sei, für den Fall, dass er selbst bei der Präsidentschaftswahl 2027 angetreten wäre.
Das Investigativmagazin "Mediapart" hatte am Vortag das Ergebnis einer mehrmonatigen Recherche veröffentlicht, wonach Bardella zu Beginn seiner Karriere antisemitische Positionen vertrat. Konkret geht es um eine Reihe privater Textnachrichten, die Bardella laut "Mediapart" 2013 geschrieben hatte, in dem Jahr, in dem er volljährig wurde. Bardella war 2012 im Alter von 17 Jahren in die Partei eingetreten, die damals noch Front National hieß.
Bardella hatte die Vorwürfe am Montagabend umgehend zurückgewiesen und eine Verleumdungsklage eingereicht.
In den von "Mediapart" zitierten Textnachrichten heißt es unter anderem: "Alle Banken gehören Juden." Eine längere Nachricht lautet: "Der Jude muss die anderen Völker beherrschen, sie plattmachen und bestehlen. Ein Zionist ist immer auch ein Jude, und dafür gibt es in Frankreich zwei schöne Beispiele: BHL (der Publizist Bernard Henri-Lévy) und (der frühere Präsidentenberater Jacques) Attali." Diese verfolgten das Ziel einer "neuen Weltordnung, dominiert von Israel".
Das Investigativmagazin zitiert außerdem nicht namentlich genannte Weggefährten Bardellas, die von dessen Faszination für den mehrfach verurteilten Verschwörungstheoretiker Alan Solal berichten. "Jordan hat kilometerweise Videos von Soral gesehen und seine Bücher gelesen. Es war der Auslöser für sein politisches Engagement", sagte demnach ein ehemaliger Berater Bardellas.
Marine Le Pens Vater und Parteigründer Jean-Marie Le Pen war für seine antisemitische Haltung bekannt und mehrfach verurteilt worden. Marine Le Pen distanzierte sich davon und bemühte sich, die Partei weiter in die Mitte zu rücken. Zu ihrer Strategie der "Dediabolisierung" zählten auch ihre Teilnahme an einer Demonstration gegen Antisemitismus 2023 und Bardellas Besuch von Jerusalem 2025. Als Bardella die Anerkennung Palästinas durch Frankreich kritisierte, schrieb Alain Solal nach Angaben von "Mediapart": "Das waren noch Zeiten, als der kleine Jordan auf mich gehört hat."
Le Pen liegt derzeit in Umfragen zur Präsidentschaftswahl mit 35 bis 36 Prozent in der ersten Runde vorn. Demnach würde die 58-Jährige auch die Stichwahl gewinnen, sei es gegen den Mitte-Rechts-Kandidaten Edouard Philippe oder gegen den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon.
J.Gong--SG