Sechs Tote und Dutzende Verletzte bei russischen Angriffen auf die Ukraine
Bei russischen Angriffen mit Raketen, Drohnen und Lenkbomben sind in der Ukraine am Samstag nach neuen Angaben sechs Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj erklärte im Onlinedienst X, Russland habe sein Land in der Nacht mit mehr als 120 Drohnen und zwölf Raketen angegriffen. "Zivile Infrastruktur wurde getroffen, bevor Luftalarm ausgerufen wurde", ergänzte der Präsident.
Selenskyj veröffentlichte Videos von Einsatzkräften, die in den Trümmern von Gebäuden nach Verschütteten suchten. In der Hauptstadt Kiew seien Wohngebäude, Büros und eine theologische Lehranstalt beschädigt worden, erklärte der Staatschef. Auch in anderen Landesteilen liefen Bergungseinsätze.
Zunächst war nur von Verletzten die Rede. Später erklärte aber der Bürgermeister der nordukrainischen Stadt Sumy, Artem Kobsar, dort habe eine russische Lenkbombe vier Menschen getötet, darunter ein junges Mädchen. Bei einem Raketenangriff in der südukrainischen Hafenstadt Odessa starben nach Angaben von Regionalgouverneur Oleg Kiper zwei weitere Menschen.
In Kiew wurden nach Angaben der Stadtverwaltung zwölf Menschen bei russischen Angriffen verletzt, darunter zwei Kinder. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hörten in den frühen Morgenstunden zwei Explosionsserien. Erst ein paar Minuten nach der ersten Explosion begann der Luftalarm.
Selenskyj erklärte, die ukrainische Armee habe bei den landesweiten Angriffen die meisten Geschosse abgefangen, "nur nicht die ballistischen". Der ukrainische Präsident erneuerte seinen Appell an die Verbündeten seines Landes, mehr militärische Ausrüstung zur Abwehr der russischen Invasion bereitzustellen. Dabei forderte er die USA ausdrücklich auf, ihre Zusage einzulösen, der Ukraine eine Lizenz für die Herstellung von Patriot-Luftabwehrsystemen zu erteilen.
Die Angriffe vom Samstag waren das zweite Mal in nicht einmal einer Woche, dass russische Raketen in der Ukraine einschlugen, bevor der Luftalarm aktiviert wurde. Serhiy Sternenko, ein Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, erklärte, dies könne darauf zurückzuführen sein, dass die russische Armee Flugabwehrraketen vom Typ S-400 für Angriffe am Boden eingesetzt habe. Derartige Angriffe seien schwerer von Radarsystemen zu orten, erläuterte der Experte im Onlinedienst Telegram.
"Es gibt keine militärische Logik für solche Attacken", fügte Sternenko hinzu. "Es ist einfach Terrorismus um des Terrorismus willen."
Russland, das gezielte Angriffe auf Zivilisten in der Ukraine dementiert, erklärte, der Beschuss habe "militärisch-industriellen Anlagen in Kiew und Hafen-Infrastruktur in Odessa" gegolten.
S.Yang--SG