Drei Faktoren stärken Zverevs Titelchance bei den US Open
Alexander Zverev geht als Weltranglistenzweiter und topgesetzter Spieler in die US Open. Das Fehlen von Jannik Sinner, seine Fitness und eine günstige Auslosung verbessern seine Aussichten.
Alexander Zverev startet am Sonntag, 30. August, mit guten Aussichten in die US Open. Das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres endet bei den Männern am 13. September. Der 29-jährige Deutsche hat Carlos Alcaraz zuletzt in der Weltrangliste überholt und will in New York den zweiten Major-Titel seiner Karriere gewinnen.
Ein wesentlicher Vorteil ist die Absage von Weltranglistenersten Jannik Sinner. Der Italiener fehlt wegen einer bislang nicht näher geklärten Knieverletzung. Sinner war für Zverev zuletzt die größte sportliche Hürde und besiegte ihn auch im Wimbledon-Finale. Durch seine Abwesenheit rückt Zverev zum topgesetzten Spieler auf und zählt zu den wichtigsten Titelanwärtern, auch wenn Buchmacher Alcaraz leicht favorisieren.
Beim Spanier besteht zugleich eine körperliche Ungewissheit. Alcaraz kehrt nach einer mehrmonatigen Pause infolge einer Handgelenksverletzung zurück und muss erst zeigen, dass er über zwei Wochen und in möglichen Fünfsatzpartien wieder voll belastbar ist. Zverev reist dagegen in sehr guter körperlicher Verfassung an.
Sky-Experte Patrik Kühnen sieht gerade im Best-of-five-Format eine Stärke des Deutschen. Zverev bringe physisch möglicherweise das stärkste Gesamtpaket mit. Seine Erfahrung in langen Grand-Slam-Partien könnte gegenüber jüngeren Konkurrenten wie Ben Shelton, Brandon Nakashima, Flavio Cobolli oder João Fonseca ein Vorteil sein.
Auch die Auslosung fällt für Zverev günstig aus. In der ersten Runde trifft er auf den Italiener Lorenzo Sonego, die Nummer 91 der Welt. Novak Djokovic und Alcaraz wurden beide in die untere Hälfte des Turnierbaums gelost. Zverev könnte daher frühestens im Finale auf einen der beiden treffen.
Ein leichter Weg bis zum Endspiel ist dennoch nicht garantiert. Beim Masters in Cincinnati schied Zverev im Achtelfinale gegen den Amerikaner Tommy Paul aus und zeigte dabei nicht sein bestes Tennis. Sky-Experte Philipp Kohlschreiber bemängelte vor allem ein zu passives Spiel. Zverev müsse näher an der Grundlinie agieren und seine Schläge offensiver einsetzen.
Gelingt ihm diese taktische Anpassung über mehrere Runden, sprechen das offene Teilnehmerfeld, seine Ausdauer und der Turnierbaum für eine realistische Titelchance. Kühnen traut dem Deutschen den zweiten Grand-Slam-Erfolg ausdrücklich zu.
Alcaraz bleibt trotz seiner Pause ein zentraler Konkurrent. Hinter Rekordhalter Djokovic ist er der erfolgreichste Grand-Slam-Spieler im Teilnehmerfeld. Seine bisherige Bilanz bei den wichtigsten Turnieren erklärt, warum ihn die Buchmacher trotz Zverevs besserer Setzposition leicht vorn sehen.
Zverevs körperliche Belastbarkeit gewinnt in New York besonderes Gewicht, weil die Männer über drei Gewinnsätze spielen. Lange Partien können Kondition und Regeneration über zwei Wochen entscheidend machen. Die jüngeren Herausforderer verfügen über Tempo und Schlagkraft, haben aber deutlich weniger Fünfsatzbegegnungen absolviert.
Die günstigen Voraussetzungen ersetzen nicht die konstante Leistung, die in sieben möglichen Partien erforderlich ist. Besonders die in Cincinnati sichtbare Passivität muss Zverev vermeiden, wenn er das offene Feld nutzen will.
T.Gil--SG